
Die Orchideenmantis (Hymenopus coronatus)
Die Orchideenmantis (Hymenopus coronatus) gehört zweifellos zu den spektakulärsten und elegantesten Gottesanbeterinnen der Welt. Mit ihrer perfekten Tarnung, die Blütenblätter nachahmt (aggressive Mimikry), fasziniert sie jeden Insektenliebhaber.
Allerdings gehört sie aufgrund ihrer Ansprüche an das Mikroklima zu den etwas anspruchsvolleren Arten. Hier ist dein kompakter und praxisnaher Haltungsbericht.
Wichtige Stammdaten
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Herkunft: Tropische Regenwälder Südostasiens (Malaysia, Indonesien, Thailand).
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Lebenserwartung: Weibchen ca. 11–12 Monate; Männchen deutlich kürzer (ca. 5–6 Monate).
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Größenunterschied (Sexualdimorphismus): Ein riesiger Faktor bei dieser Art! Weibchen werden bis zu 7 cm groß, Männchen bleiben mit nur ca. 3 cm winzig und sind oft schon nach der halben Anzahl an Häutungen erwachsen.
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Vergesellschaftung: Strikt einzeln halten (Kannibalismusgefahr).
Das perfekte Terrarium
Aufgrund des extremen Größenunterschieds hängt die Terrariengröße vom Geschlecht ab. Für ein erwachsenes Weibchen sollte das Terrarium mindestens 20 x 20 x 30 cm (B x T x H) groß sein.
Das absolute K.-o.-Kriterium: Doppelbelüftung! Gottesanbeterinnen reagieren extrem empfindlich auf Stickluft. Das Terrarium muss zwingend eine Belüftung unten an der Front und oben am Deckel haben (am besten großflächige Gaze), damit die Luft zirkulieren kann und kein Schimmel entsteht.
Einrichtung & Zubehör
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Deckengaze: Die Decke des Terrariums sollte mit Fliegengitter aus Stoff oder feiner Metallgaze bespannt sein. Mantiden hängen sich für die Häutung kopfüber an die Decke. An glattem Glas oder Plastik finden sie keinen Halt und stürzen ab – was tödlich endet.
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Bodengrund: Eine 3–5 cm dicke Schicht aus Kokoshumus, Torf oder Pflanzenerde, gemischt mit etwas Moos (z. B. Sphagnum-Moos), um die Feuchtigkeit zu speichern.
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Äste und Pflanzen: Kletteräste und echte oder künstliche Pflanzen (gerne Orchideen oder großblättrige Pflanzen).
Klima: Das A und O
Die Orchideenmantis verzeiht dauerhafte Klimafehler nur schwer. Das richtige Zusammenspiel aus Wärme und Luftfeuchtigkeit entscheidet über eine erfolgreiche Häutung.
ParameterTageswertNachtswertTemperatur26 – 30 °C (lokal am Spot bis 32 °C)Absenkung auf 20 – 22 °C (Zimmertemperatur)Luftfeuchtigkeit60 – 80 % (tagsüber eher trockener)80 – 90 % (durch abendliches Sprühen)
Technik-Tipp: Nutze am besten einen kleinen Halogenspot oder eine LED-Lampe, die Wärme nach unten strahlt. Heizmatten am Boden sind unnatürlich, da sich die Tiere bei Hitze instinktiv nach unten zurückziehen. Besprühe das Terrarium jeden Abend leicht mit destilliertem oder abgekochtem Wasser (verhindert Kalkflecken auf den Scheiben).
Fütterung: Flieger bevorzugt
Hymenopus coronatus ist eine spezialisierte Kronenbewohnerin. Das bedeutet, sie jagt in der Natur fast ausschließlich Fluginsekten, die von Blüten angelockt werden. Krabbelnde Nahrung wie Schaben oder Heimchen wird oft ignoriert oder nur widerwillig angenommen. Zudem können Heimchen die Mantis während der empfindlichen Häutungsphase verletzen.
Der Futterplan nach Stadien:
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L1 bis L2 (frisch geschlüpft): Kleine Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster).
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L3 bis L5: Große Fruchtfliegen (Drosophila hydei) und grüne Schmeißfliegen (Lucilia-Fliegen).
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Subadult bis Adult: Goldfliegen, Schmeißfliegen, Wachsmotten und gelegentlich unbehandelte Bienen oder Hummeln.
Häutung und Pflege-Tipps
Wenn eine Häutung ansteht, stellt das Tier ca. 1–2 Tage vorher das Fressen ein und wirkt träge.
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Wichtig: In dieser Zeit absolut nicht stören und keine Futtertiere im Terrarium lassen.
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Erhöhe am Abend vor der Häutung die Luftfeuchtigkeit ein wenig, damit die alte Haut geschmeidig bleibt und sich gut löst.
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Nach der Häutung dauert es 24 bis 48 Stunden, bis das Außenskelett vollständig ausgehärtet ist. Erst dann wieder füttern!